Die sozialen, wirtschaftlichen und menschlichen Auswirkungen der Corona-Krise – was wird bleiben?

Was für viele Menschen zunächst wirkte wie ein Stillstehen der Welt, hat sich nach wenigen Wochen vor allem als Umbruch gezeigt.
Die Gefahr von COVID 19 und die damit einhergehenden Einschränkungen zeigen nicht nur auf beeindruckende Art und Weise, wie tief menschliche und soziale Verantwortung in unserer Gesellschaft verankert sind, sondern auch wie die Welt zum Besseren verändert werden kann.
Arbeit, Sozialleben, Wirtschaftssystem, Technologie – viele Dinge, die sich für die Corona-Krise verändert haben, werden bleibende Spuren in der Gesellschaft hinterlassen und könnten einen Wandel zur Folge haben.
Wir haben untersucht, was sich verändert hat, was sich noch verändern wird und was auch nach der Entwicklung von Impfstoff und Heilmethoden in unserem täglichen Leben verankert sein wird.

Home Office – und es geht doch

Seit Jahren wurde das Home Office bzw. das Recht auf Home Office als eine der wünschenswerten Lösungen für die Zukunft des Arbeitens beschworen. Und seit ebenso langer Zeit wiegelten Arbeitgeber ab, das ginge nicht. Die Produktivität würde verloren gehen und die Arbeit erfordere einfach Präsenz, acht Stunden am Tag, fünf Tage die Woche – typisch deutsche Arbeitsamkeit.

Aber es geht eben doch, auch wenn es viele Chefs vor neue Herausforderungen stellt und die ersten Teams-Meetings noch nicht ohne kleine Aussetzer über die Bühne gingen. Dabei geht es längst nicht darum, den festen Arbeitsplatz im Büro alternativlos zu streichen. Aber der Produktivitätsverlust ist eben doch nicht so groß wie dies über Jahre befürchtet wurde. Und ob ArbeitnehmerInnen nun nebenbei einmal die Waschmaschine ein- und die Spülmaschine ausräumen fällt eigentlich nicht ins Gewicht, wenn dafür die Pendelzeiten wegfallen.

Es wird auch nach der COVID-Krise ein permanenter Abdruck in der Arbeitswelt bleiben: Home Office ist für all jene eine denkbare und umsetzbare Alternative, die dies wünschen.

Die Auswirkungen des Home Office zeigen sich vor allem in den Städten besonders präsent, wo der Verkehr teils drastisch zurück ging. In Wienist der Autoverkehr im Mittel etwa auf die Hälfte reduziert, in anderen Städten sogar auf nur ein Viertel. Im Vergleich mit dem Jahresmittel des Verkehrsaufkommens über den Tag verteilt fällt vor allem auf, dass die Ausreißer zur Rush Hour ausbleiben. Eltern bringen ihre Kinder nicht mehr zur Schule und viele ArbeitnehmerInnen nutzen die Chance, im Home Office zu arbeiten.
Die Zahlen der Süddeutschen (https://www.sueddeutsche.de/auto/verkehr-stau-corona-1.4857721) vermögen auch deswegen zu überraschen, weil der öffentliche Nahverkehr gespenstisch leer steht. Denn natürlich nutzen Pkw-Besitzer derzeit lieber das eigene Fahrzeug, selbst wenn der Nahverkehr ökologischer und praktischer ist.

Digital als das neue normal

Doch die bleibenden Veränderungen, so äußerte sich etwa Bernd Flossbach (renommierter Vermögensverwalter und Co-Chef von Flossbach von Storch), werden sich nicht aufs Home Office beschränken.
Die Digitalisierung erhält einen gewaltigen Schub durch viele der hygienischen und einfacheren Alternativen, die durch Corona plötzlich attraktiver wurden. Des gilt beispielsweise für ganz simple Dinge wie bargeldloses und kontaktloses Zahlen, das ist schlichtweg schneller und hygienischer als Bargeld.
Gleichzeitig werden aber auch infrastrukturelle Mängel, die bereits seit Jahren mokiert werden, sichtbar. Der Netzausbau in Europa weist nach wie vor Schwächen auf.

Glasfaser ist keine Zukunftstechnologie mehr, sondern eine Bedingung für modernes, digitales Arbeiten.

Gerade auch kleinere Unternehmen sehen sich jetzt im Zugzwang, ihre Prozesse schneller zu digitalisieren als vormals.
Lokale Händler mussten binnen Tagen Online Shops errichten, um noch weiter verkaufen zu können. Das funktioniert aber nicht in allen Branchen, die Gastronomie und Service-Industrie etwa sind besonders hart getroffen, auch privat betriebene Sporthallen müssen Alternativen in der Krise suchen. Dabei zeigt sich, dass Kreativität ein Schlüsselfaktor ist – Online-Kurse boomen und auch die Crowdfunding-Plattformen sind indes voll von Angeboten, mit denen (ehemalige) KundInnen ihre liebsten Locations auch durch die Krise hinweg unterstützen können. Solidarität und Treue haben den Weg ins Digitale längst gefunden.
All diese Änderungen im Wirtschaftssystem sind aber ein Lichtblick für die Krisenbewältigung als Gesellschaft und zeigen auch Skeptikern, dass wir solidarisch Großes bewegen können. Ziehen wir daraus gesamtgesellschaftlich die richtigen Lehren (etwa im Bezug auf die Klimakrise) sind hierfür lediglich Einschnitte nötig, die im Vergleich zur aktuellen Lage geradezu lächerlich sind.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Strukturveränderungen

Die schnell beschlossenen Hilfsmaßnahmen, Liquiditätshilfen und Kreditpakete der Bundesregierung sind ein absolutes Erfordernis für die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die von der Krise getroffen sind. Abseits dieser Unternehmen scheint aber auch die Erkenntnis inzwischen gesellschaftlich verankert zu sein, dass die sozialversicherungspflichtige Vollbeschäftigung längst nicht mehr die kompromisslose Norm ist.

Soloselbständige sind nicht nur Ärzte, IT-Techniker und Anwälte, sondern befinden sich häufig in prekären Arbeitssituationen. Einen sozialen Rettungsschirm gab es hier im Vor-Krisen-Europa nicht. Aber auch die Soloselbständigen wurden in den Finanzpaketen bedacht – dies sollte Lösungen für Umstellungen von Renten-, Pflege- und Sozialversicherungen beschleunigen.

Denn wie wenig das deutsche System hier der Realität des 21. Jahrhunderts entspricht, hat sich hier sehr deutlich gezeigt. Da wirkte das schnelle Einlenken der Bundesregierung und das enorme Tempo, mit dem Investitionsbanken agierten, fast schon überraschend.

Neue Wertschätzung für systemrelevante Berufe

Nicht nur in Österreich hat sich gezeigt, dass die BürgerInnen einen neu gewonnen Respekt für Pflegekräfte, Helfer und das Personal im Einzelhandel gefunden haben. Doch beim täglichen Applaus dürfte es nicht bleiben für all die Berufe, die (das ist das neue Schlagwort 2020:) systemrelevant sind.
Eine Verbesserung der Arbeitsbedingung, ein genaueres Hinhören der Politik und vor allem ein deutlich besseres Gehalt sind die Forderungen, die Versprechen in der Krise, die alsbald eingelöst werden müssen. Dabei geht es nicht um einmalige Bonuszahlungen und hörbare Wertschätzung in Form schnell verhallenden Applauses, sondern um ein besseres Gehalt auch nach der Krise, Schutzausrüstung und einen gesellschaftlichen Blick, der Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit trennt.
Krankenhäuser und Pflegestationen dürfen ethisch nicht an die Logik einer Profitmaximierung gekoppelt sein – eine Idee, die inzwischen auch bei neoliberaleren Geistern einzusickern scheint oder diese zumindest zum Schweigen gebracht hat.

Die Digitalisierung des Soziallebens und Social Media

So wie die Auswirkungen der Krise gesellschaftlich und wirtschaftlich spürbar sind, so sind sie es auch individuell. Dies gilt für persönliche Interaktionen, den Alltag, aber auch die digitale Persona. Nicht jeder kann sich ins virtuelle Idyll von “Animal Crossing” flüchten, so zeigen Zahlen aus China (https://taz.de/Probleme-mit-Quarantaene-in-China/!5667165/), dass dort vor allem die Rate häuslicher Gewalt deutlich stieg.

Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen, die an ihren Alltag und ihre regelmäßigen, sozialen Kontakte gebunden sind, leiden besonders stark an den gesellschaftlichen Veränderungen. Mit den besten Freunden zu skypen und sich abends am Bildschirm zu verabreden, ist eben kein adäquater Ersatz für eine herzliche Umarmung. Wer sich daran nicht anpassen kann, muss sich zumindest damit für die nächste Zeit arrangieren. Eine dauerhafte Lockerung, ein frühzeitiger Ausstieg, all dies ist derzeit graue Theorie und ein Spiel mit dem Feuer. Großveranstaltungen wie Messen und Fußballspiele werden in diesem Jahr vermutlich nicht mehr stattfinden, mit anderen sozialen Einschränkungen werden wir uns über mindestens Monate arrangieren müssen. Auch das Maskentragen im öffentlichen Raum wird Normalität werden, aus einem Schutz der Mitmenschen heraus, aber auch für das Bewusstsein der physischen Distanz. Unlängst änderte das Robert Koch Institut seine Einschätzung zu Masken (https://www.mopo.de/news/panorama/neue-einschaetzung-des-rki-mundschutz-koennte-uebertragunsrisiko-mindern—aber-vorsicht-36509558).

Umso reizvoller scheint es da, die Macht der sozialen Netzwerke zu nutzen, um im Kontakt zu bleiben. Das aber birgt auch Risiken wie die rasche Verbreitung von Fake News. Social Media gilt ja nicht erst seit der Corona-Krise als Brutstätte von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern. Der Hebel der Reichweite ist Nährboden für Theorien zur Herkunft und Heilung des Virus und nicht nur der, selbst US-Präsident Trump nutzt seine Reichweite für hanebüchene Empfehlungen. Umso wichtiger sind die Entscheidungen der Netzwerke, vertrauenswürdige Quellen zu bündeln und zu empfehlen.
Dennoch haben Fake News und auch Spam (https://www.stern.de/gesundheit/corona-fake-news–krude-falschmeldungen—und-warum-sie-unsinn-sind-9183574.html) derzeit Hochkonjunktur. Statt nigerianischer Kronprinzen schreiben sind nun angebliche Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation WHO auf der Suche nach Kontodaten. Es gilt unbedingt verstärkte Achtsamkeit beim Nachrichtenkonsum, denn Chlor-Kuren oder Alkoholkonsum gegen Corona spielen ebenso mit Menschenleben wie Hamsterkäufe von Desinfektionsmittel und Schutzmasken, die dadurch an neuralgischen Punkten fehlen.
Ein kleiner Trost: Es gibt aber auch witzige Nebenschauplätze der Krise wie etwa steigende Zahlen beim Online-Skat (https://www.hna.de/lokales/witzenhausen/sontra-ort84631/online-skat-boomt-in-corona-krise-sontraer-ist-einer-weltweit-besten-13643534.html), es sind also nicht nur die Millenials, die derzeit mehr Zeit für Videospiele haben.
Die sozialen Medien machen es dadurch durchaus möglich, auch mit Abstand nicht sozial zu verarmen. Und so melancholisch und widersprüchlich die Message auch klingen mag: Derzeit ist es das Beste für unsere Freunde, unsere Verwandten, unsere Lieben und deren Angehörige und Bekannte, wenn wir uns mit Abstand nahe sind.

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